Ein Selbstversuch: ChatGPT als Tesleser – mit spannendem Feedback
Tami Leysing • 9. Mai 2025
Ein Selbstversuch: ChatGPT als Tesleser – mit spannendem Feedback
19/2025
Ich habe das gewagt, wovor viele warnen: ChatGPT mit meiner Leseprobe gefüttert.😅
Band 1 der Jugendbuch-Reihe ist nach dem Lektorat in der letzten Überarbeitungsrunde und ich bin ziemlich sicher, dass die Veröffentlichung für Herbst realistisch ist. Deshalb war ich neugierig.
- Was sagt ChatGPT über meine Leseprobe?
- Welche Tipps gibt es, die ich noch berücksichtigen könnte?
Stil und Wirkung – Was schon sehr gut funktioniert:
- Identifikationspotenzial: Hanna ist eine glaubwürdige und sympathische Protagonistin. Ihre Konflikte – Schulstress, Beziehungskrise, die Liebe zum Pferd – sind realitätsnah und treffen genau den Nerv jugendlicher Leser:innen. Viele werden sich in ihrer Zerrissenheit zwischen Pflichtgefühl und Freiheitsdrang wiederfinden.
- Dialogführung: Die Dialoge klingen authentisch und lebendig. Die Stimme der Teenager ist gut getroffen – mit kleinen Eigenheiten („Du nervst!“, „Du bist seltsam, Hanna!“), wie sie Jugendliche tatsächlich verwenden.
- Thematische Tiefe: Du greifst ernste und relevante Themen auf: Leistungsdruck, Selbstfindung, erste Liebe, Freundschaft, Selbstbestimmung. Besonders positiv fällt auf, dass der Pferdekontext nicht oberflächlich ist, sondern sich harmonisch in Hannas Leben einfügt, ohne klischeehaft zu wirken.
- Struktur und Lesefluss: Du nutzt kurze Szenen, klare Perspektive (Hanna), gute Erzählrhythmik – das alles macht den Einstieg flüssig und angenehm. Besonders für Jugendliche ist diese klare Struktur wichtig.
- Straffen einzelner Absätze: Stellenweise wiederholt sich Hannas Gedankenwelt leicht („Warum versteht Daniel nicht …“, „Sie wollte doch nur …“). Hier könntest du kürzen oder mit innerem Monolog arbeiten, der emotionaler oder überraschender ist.
- Beispiel: Statt: „War es so abwegig, von dem Menschen, der einem am wichtigsten war, etwas mehr Verständnis zu erwarten?“ → kürzer und pointierter: „Nicht mal er verstand sie. Das tat weh.“
- Dynamik in beschreibenden Szenen erhöhen: Wenn Hanna z. B. mit Lea zum Stall radelt, ist der Text nah an den Figuren, aber könnte noch mehr Energie vertragen. Nutze kurze, bildhafte Sätze, um Tempo und Emotion zu vermitteln – vor allem im Kontrast zu ruhigeren Szenen (z. B. bei der Projektarbeit).
- Innere Konflikte schärfen: Hannas Pflichtgefühl ist ein zentraler Aspekt. Es wäre stark, wenn du ihr inneres Dilemma noch deutlicher machst – etwa durch Gegensätze zwischen Wunsch („Ich will frei sein“) und Angst („Ich darf nicht versagen“). Dadurch wird ihre Entwicklung über den Roman hinweg greifbarer.
- Pferde als Spiegel von Emotionen nutzen: Du hast das schon schön angedeutet, z. B. bei Katla am Paddock. Nutze die Pferde noch stärker als emotionale Spiegel oder Kontrast zu menschlichen Konflikten. Pferdemädchen „fühlen“ Szenen mit Tieren besonders stark.
- Sanft mit Exposition umgehen: Manche Hintergrundinfos (z. B. Jonas’ frühere Ausbildung, Hannas Schuldruck) sind ein bisschen erklärend eingeflochten. Schau, ob du einige davon eleganter über Dialog, Andeutungen oder Rückblenden einbinden kannst.
Dein Schreibstil ist absolut passend für deine Zielgruppe: glaubwürdig, gefühlvoll, klar strukturiert und mit sympathischen Figuren. Besonders hervorzuheben ist, dass du ein Buch über Islandpferde schreibst, das mehr ist als nur ein „Pferdebuch“. Die Botschaft „Geh deinen Weg“ spiegelt sich auf vielen Ebenen wider.
Für die letzte Überarbeitung empfehle ich dir:
- Stringenz und Klarheit in der Sprache weiter schärfen
- Emotionale Tiefe ausbauen – durch innere Monologe, Symbolik (Pferd als Spiegel), Kontraste
- Den Spannungsbogen schon im ersten Kapitel sanft andeuten (Jonas könnte da der Schlüssel sein)
Die Kraft der Ausdauer
Was soll ich sagen? Geniales Feedback! Und ein Versuch wert! Doch bitte niemals ein komplettes Roman-Manuskript hochladen. Die KI kann anhand einer Szene oder kurzer Textpassagen schon sehr gut analysieren, was deinem Text noch fehlt und welches Potenzial darin steckt.
Deshalb setze ich mich nun zum x-ten Mal an meine Geschichte. So sieht ein realistischer Werdegang eines Romans aus. Man denkt sich Figuren aus, überlegt sich wochenlang, den Spannungsbogen, welche Szenen passt in den Plot, welche kann getrost ausgelassen werden. Danach geht es ans Schreiben der Rohfassung. Und nicht, dass ihr denkt – jetzt wäre es geschafft. Nein, jetzt fängt die Arbeit erst richtig an. Es geht ans Überarbeiten. Bevor ich mein Manuskript an meine Lektorin geschickt habe, saß ich sieben Runden am Schreibtisch. Dann folgte die Testleser-Phase - auch dieses Feedback wurde eingearbeitet. Dann war es soweit, endlich war die Geschichte reif für das Lektorat.
Auf diesen Schritt solltest du als Autor:in niemals verzichten. Die KI ersetzt niemals die Arbeit einer guten Lektor:in. Im Gegenteil, das umfangreiche Feedback aus dem Lektorat trägt dazu bei, dass ich mich als Autorin kontinuierlich weiterentwickeln kann. Ganz schön viel Zeit, die da hinter einem einzigen Buch steckt!
Deshalb mache ich mich an die Arbeit! Dann schaffe ich das Veröffentlichungsziel für ISILOVE – Geh deinen Weg
im Herbst 2025, einzuhalten. Falls du Lust bekommen hast auf die Leseprobe – die findest du hier: https://www.tami-leysing.com/jugendbuch

KW37/2026 Was braucht es, um gut schreiben zu können? Talent? Eine besondere Begabung für Sprache? Die berühmte Inspiration, die hoffentlich genau dann auftaucht, wenn wir uns an den Schreibtisch setzen? Je länger ich selbst schreibe und je mehr Manuskripte ich als Lektorin begleite, desto weniger glaube ich daran, dass gutes Schreiben vor allem eine Frage des Talents ist. Für mich sind es drei Dinge, die viel entscheidender sind: Lesen. Schreiben. Überarbeiten. Sie gehören zusammen. Und wahrscheinlich hört keines davon jemals auf, wenn wir uns als Autor:innen weiterentwickeln wollen. Lesen verändert sich, sobald wir selbst schreiben Ich lese heute anders als früher. Natürlich kann ich mich noch immer in einer Geschichte verlieren. Aber irgendwo läuft inzwischen eine zweite Ebene mit. Warum funktioniert diese Szene so gut? Weshalb bin ich dieser Figur nach wenigen Seiten so nah? Warum möchte ich unbedingt wissen, was als Nächstes passiert? Und genauso: Warum verliere ich gerade das Interesse? Weshalb berührt mich dieser eigentlich dramatische Moment nicht? Warum fühlt sich ein Dialog künstlich an? Dieses Warum finde ich für das eigene Schreiben unglaublich wertvoll. Denn sobald wir beginnen, Geschichten nicht nur zu lesen, sondern ihre Wirkung zu hinterfragen, lernen wir etwas über unser Handwerk. Dabei können uns ausgerechnet Bücher besonders viel beibringen, die uns nicht gefallen. Statt einen Roman mit einem schnellen "Boah" einfach nicht meins zur Seite zu legen, können wir genauer hinschauen. Vielleicht fehlt der Hauptfigur ein Ziel, das wir wirklich verstehen. Vielleicht werden ihre Gefühle ausführlich erklärt, ohne dass wir sie erleben können. Vielleicht passiert auf zwanzig Seiten eine ganze Menge und trotzdem verändert sich nichts. Oder wir wissen längst, welche Wendung kommen wird, obwohl sie uns eigentlich überraschen sollte. Und irgendwann passiert etwas Spannendes: Wir erkennen dieselben Muster im eigenen Manuskript.

14/2026 Viele Autor:innen glauben, Spannung entstehe nur durch Verfolgungsjagden, Explosionen oder dramatische Wendungen. Doch die Wahrheit ist: Die stärkste Spannung entsteht oft dort, wo scheinbar „nichts“ passiert. In Blicken. In unausgesprochenen Gedanken. In Entscheidungen, die noch nicht getroffen wurden. Wenn du lernst, Spannung ohne Action zu erzeugen, schaffst du Geschichten, die Leser:innen wirklich fesseln – weil sie emotional involviert sind.

12/2026 Obsessive Liebe ist ein faszinierendes, aber auch gefährliches psychologisches Phänomen. Wenn der Wunsch entsteht, einen Menschen ganz für sich allein zu besitzen, können toxische Dynamiken entstehen. In diesem Beitrag erfährst du, wie sich obsessive Anziehung entwickelt und warum dieses Thema eine zentrale Rolle in meinem Psychothriller Harsardspiel – Im Netz der Begierde spielt.






